Von der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde zum
Verein für Heimatgeschichte Bliesen e.V.

In einer Zeit zunehmender Orientierungslosigkeit ist Heimat wieder ein Thema geworden. Von vielen Aspekten technokratischer und wirtschaftlicher Entwicklungen fühlen wir uns überrollt. Kann da Heimat den festen Boden bieten gegen einen Zeitgeist, in dem heute schon vergessen ist, was gestern war. Oder ist jenen beizupflichten für die Heimat - angesichts von Mobilität und Globalisierung - ein veraltetes Wort ist, als Inbegriff von Enge und Rückständigkeit, denen Heimatgeschichte nichts anderes ist als Sentimentalität. Diesem Trend wollten die Heimatvereine entgegentreten indem sie die Verbundenheit mit der Heimat durch Heimatwissen stärkten und vor dem Vergessen bewahrten, was die Welt unserer Väter und Vorväter uns an Bewahrenswertem hinterließen. Dass dies Kärrnerarbeit bedeutet, sei nur am Rande bemerkt.

Als in unserem Lande und auch in unserer näheren Umgebung bereits Heimatvereine entstanden waren, gab es in dem vereinsfreudigen Bliesen keinen Verein, der sich speziell mit der Heimatgeschichte und heimatlichem Brauchtum befasste. Zwar waren in Festschriften verschiedener Vereine zu Jubiläen und anderen Anlässen sowie in einigen Zeitungsartikeln Beitrage zur Ortsgeschichte erschienen, die aber nicht in jedem Fall wissenschaftlich gesichert waren. Ein Werk, das in Verlässlichkeit eine Gesamtschau von der älteren Zeit bis in unsere Tage die Entwicklung unseres Dorfes bot, fehlte.

Die Initiative zu einem solchen Heimatbuch ging von drei Geistlichen aus, dem damaligen Pfarrer Herbert Puhl, dem gebürtigen und hier in Bliesen im Ruhestand lebenden Pfarrer Karl Kreuz und dem aus Oberthal stammenden Pfarrer i. R. Erwin Therre, dem Heimatforschung ein Anliegen war. Ihnen zur Seite kam Ortsvorsteher Josef Hinsberger, dem es aus seinem Amtsverständnis heraus daran gelegen war, dass auch für Bliesen ein Heimatbuch erscheinen konnte.

Als Verfasser des Buches wurde Hans Josef Wagner beauftragt, der sich schon länger mit Heimatgeschichte befasst hatte und durch einige Veröffentlichungen bekannt war. Eine solche Arbeit kann nicht ohne zuverlässige Quellen entstehen, und für deren Beschaffung und auch anderer Urkunden und Schriften sorgten neben anderen Personen die drei Pfarrer, eine wertvolle Hilfe leistete auch der Leiter der Stadt- und Kreisbücherei und des Stadtarchivs Heribert Catrein. Weit zurückrei¬chendes Quellenmaterial kam aus den Archiven von Metz, Koblenz, Trier, Speyer, München und Nancy. Auch die Kirchenbücher von Bliesen sowie die Schulchronik standen zur Verfügung. In mehrjähriger Arbeit (1979 - 1984) entstand so ein Heimatbuch, das notwendig und verdienstvoll ist, zeigt es doch wie ein Dorf von seiner naturgegebenen Eigenart und der Spur seiner alten und neuen Geschichte geprägt und wie sehr auch Vergangenes in dem gegenwärtig ist, was Menschen unseres Dorfes als Heimat empfinden. Das Buch, das am 15.September 1984 vorgestellt wurde unter dem Titel - Bliesen - Ein Dorf und seine Geschichte war in kürzester Zeit vergriffen.

Sicher hat dieses Buch den Anstoß gegeben sich auch weiterhin mit der Geschichte Bliesens zu befassen, denn Geschichte ist immer auch Geschichte von Menschen, die sie erlebten und wohl auch erlitten. Über sie sollten die Familienbücher Auskunft geben. Den Anstoß Familien und ihre Mitglieder zurückzuverfolgen gab Rektor Edmund Jung, der seinen Bruder für ein solches Unternehmen gewann.

Rudi Jung war weit über die Grenzen seiner Heimat Freisen bekannt als Heimatforscher und Verfasser von Familienbüchern verschiedener Gemeinden. Und so verfasste er auch für Bliesen das Familienbuch I für die Zeit von 1682 bis 1814. Hilfe durch die Erfassung einzelner Daten leistete ihm Hans Josef Wagner. Das Buch erschien 1985.

Bereits zwei Jahre später 1987 erschien Familienbuch II für den Zeltraum von 1816 bis 1876, wiederum erstellt von Hans Josef Wagner.

Angespornt durch den Erfolg der bis dahin vorliegenden Bücher entschloss sich die Interessengemeinschaft Bliesener Vereine gewissermaßen als Ergänzung des Heimatbuches einen Bildband herauszugeben, der in acht Themenkreisen das Dorf und seine Landschaft, die Menschen bei ihrer Arbeit und in ihrer Freizeit, bei den Festen und Feiern, und in Vereinen, in Kirche und Schule vorzustellen. Jedem Thema wurde ein Text vorangestellt, der das Hintergrundwissen bieten sollte zu dem, was die Bilder zeigten. Zur Gestaltung des Buches, besonders zur Beschaffung der Bilder entstand ein größerer Kreis von Mitarbeitern, die in ihrer Mehrheit von den Vereinen benannt wurden. Dieses Buch: Bliesen im Wandel der Zeit. Eine Dorfchronik in Bildern, das in einem ansprechenden Einband erschien, wurde einer interessierten Öffentlichkeit 1989 im Saal Kunz vorgestellt und fand ebenfalls eine gute Aufnahme. Es wurde auch vielfach als Geschenk benutzt.

1990 erschien Familienbuch III für die Jahre von 1876 bis 1988, wiederum eine Arbeit von Hans Josef Wagner, dem als Mitarbeiterin vor allem für die Beschaffung der Daten und der Einwilligungserklärung der Familien Astrid Maldener in einer ABM-Stelle zur Verfügung gestellt wurde und die, wie Hans Josef Wagner in seinem Vorwort betont, eine wertvolle Hilfe war.

Bereits nach dem Erscheinen des Bildbandes entstand aus dem Mitarbeiterkreis eine Stammmannschaft, die unter dem Namen Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde in den folgenden Jahren sich mit heimatbezogenen Themen und Veranstaltungen befasste. Sie tagte in regelmäßigen Sitzungen im Büro des Ortsvorstehers in der ehemaligen Hauptschule und bestand aus folgenden Mitgliedern: Josef Backes, Hedwig Demuth, Werner Hans, Josef Hinsberger (Vorsitzender), Johanna Horras, Astrid Maldener, Manfred Pfeiffer, Pauline Staub, Albert Stein, Hans Josef Wagner. Diese Arbeitsgemeinschaft gab 1992 das Gedenkbuch für Kriegsopfer der Gemeinde Bliesen I914 - 1918 und 1939 - 1945 heraus. Das Buch wurde am Volkstrauertag nach der Kranzniederlegung an der Gedenkstätte bei der Kirche nach einer anschließenden Feierstunde in der Sport- und Kulturhalle zum Verkauf angeboten und war nach kurzer Zeit vergriffen. Die Nachfrage besteht bis zum heutigen Tag.

Die Arbeitsgemeinschaft richtete 1994 auch die 1000 - Jahrfeier aus. Sie gab die Festschrift heraus und war mit der Planung und der Organisation betraut. Diese Festtage vom 27. - 30. Mai 1994 können mit Fug und Recht als Höhe- und Glanzpunkt der Bliesener Feste bezeichnet werden, zumal sie durch die Teilnahme unserer französischen Partnerschaftsgemeinde St.Cyr-en-Val bereichert wurde. Vor allem aber erhielt sie durch das Engagement der Vereine und der Bliesener Bürger ihre eindrucksvolle Prägung, die noch lange im Gedächtnis aller Teilnehmer haften bleibt; zeigte sie doch zu was ein Gemeinwesen in gemeinsamem Wollen und Schaffen zu leisten vermag. Eine Dokumentation dieses Festes wurde 1995 ver6ffentlicht, in welcher der Verlauf der Festtage in eindrucksvollen Bildern festgehalten ist.

Die Arbeitsgemeinschaft, die durch den Tod so engagierter Mitglieder wie Johanna Horras, Pauline Staub und Josef Backes bereits dezimiert war konnte zwar einige neue Mitglieder zählen, war jedoch kein Verein im eigentlichen Sinne, sondern eine Art Untergliederung der Interessengemeinschaft, sie besaß auch kein Statut im Gegensatz zu vielen Heimatvereinen der Umgebung zu denen nur lose Verbindung bestand. Deshalb beschloss man, dem Verein eine gesetzliche Grundlage zu geben durch den Status eines eingetragenen Vereins. Wenn wir rückblickend die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft würdigen wollen, so sei abschließend auf die Zusammenstellung ihrer Veröffentlichungen und Aktivitäten verwiesen.

1985 Familienbuch I: 1682 -1814

1987 Familienbuch II: 1815 - 1876

1989 Bliesen im Wandel der Zeit - Eine Dorfchronik in Bildern

1990 Familienbuch III 1876 - 1988

1992 Gestaltung der Feier zum Volkstrauertag Gedenkbuch:

Kriegsopfer der Gemeinde Bliesen 1914 -1918 und 1939 -1945

1994 Ausrichtung der 1000-Jahrfeier

Festschrift: 1000 Jahre Bliesen

1995 1000 Jahre Bliesen. Rückschau auf die historischen Festtage

Manfred Pfeiffer

Würdigung

Am 28. März 2012 verstarb unser Mitglied Manfred Pfeiffer im 84. Lebensjahr. Er war Verfasser zahlreicher Artikel über die Geschichte der Gemeinde und Pfarrei Bliesen. Außerdem war er vielen Bliesener Vereinen bei der Erstellung ihrer Chroniken behilflich. Sein Tod hinterlässt in unserem Vereinsleben eine große Lücke.
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